Wenn wir gehen, uns drehen oder beugen, ist ein Gelenk maßgeblich im Spiel: unser Hüftgelenk. Es stellt die gelenkige Verbindung des Rumpfes mit den Beinen dar und verbindet Becken- und Oberschenkelknochen. Seine optimale Form als Kugelgelenk garantiert uns große Bewegungsfreiheit.

Aufbau des Hüftgelenks

Das Gelenk besteht aus der Hüftpfanne im Beckenknochen und dem Hüftkopf des Oberschenkelknochens. Beide Teile sind mit einer knorpeligen Gleitschicht überzogen. Eine Gelenkkapsel dichtet die gelenkige Verbindung ab. Sie produziert eine Flüssigkeit, die einerseits den Knorpel ernährt und andererseits für eine reibungsfreie Bewegung sorgt. Gleich einem Stoßdämpfer sollen so die gewaltigen Kräfte abgefangen werden, die im Laufe eines Lebens auf das Gelenk einwirken. Bänder zwischen den Knochen geben dem Gelenk die notwendige Stabilität; durch Muskeln und Sehnen wird es bewegt.

Impingement

Bei dem Impingement-Syndrom handelt es sich um ein mechanisches Anschlagphänomen des Hüftkopfes am Pfannenrand. Dies führt zu Beschwerden und letztendlich zum Verschleiß des Gelenkes. Die Ursache liegt entweder in einer anatomischen Formstörung des Kopfhalsüberganges des Oberschenkelknochens (CAM) und/oder der Pfanne (Pincer). Die Therapie besteht in der operativen Korrektur der anatomischen Formstörungen zur Vermeidung eines später auftretenden Gelenkverschleißes. Wir führen dies in einer minimalinvasiven Technik durch. Der stationäre Aufenthalt beträgt ca. 3 Tage.

Fallbeispiel:
Ein 34jähriger Patient hat seit mehreren Monaten bei sportlichen Aktivitäten und bei bestimmten Bewegungen in der Beugung Schmerzen im Bereich der rechten Leiste. Der vordere Impingementtest ist positiv. Die Röntgenbilder zeigen Zeichen des kombinierten Impingements und die Kernspintomographiebilder bestätigen die Labrumläsion (knorpelige Ausziehung des Pfannenrandes) sowie die Pfannenzysten. In einer minimalinvasiven offenen Technik wird das Schenkelhalstrimming zur Korrektur des CAM-Impingements durchgeführt und die Labrumchirurgie mit Zystenanbohrung durchgeführt. Der Patient kann sofort nach der OP mobilisiert werden mit einer Teilbelastung des operierten Beines für 6 Wochen. Er ist nach wenigen Tagen beschwerdefrei.

Hüftdysplasie

Die Dysplasie bezeichnet die Minderüberdachung des Hüftkopfes durch eine anatomisch bedingte schwach ausgebildete Pfanne. Bei einer angeborenen Hüftdysplasie kommt es regelmäßig zu einer Ausrenkung des Hüftgelenkes. Die mechanische Instabilität führt zu gestörter Verknöcherung (Dysplasie) und mangelnder Entwicklung des Pfannendaches. Die Pfanne ist kaum ausgebildet, d. h. sie ist flach und steht meist in einem steilen Winkel, was wiederum Ausrenkungen begünstigt. Es entsteht eine biomechanisch erhöhte Punktbelastung im Bereich der Pfanneneckfläche. Hierdurch kommt es bei ausbleibender Behandlung zu einem frühzeitigen Gelenkverschleiß. Ohne Behandlung sind die meisten Patienten um das 40. Lebensjahr prothesenpflichtig.

Umstellungsoperation
Die Therapie besteht in einer Verbesserung der Hüftkopfüberdachung durch eine Umstellungsoperation der Pfanne. Hierbei wird die Pfanne an allen drei Kontaktflächen mit dem Becken durchtrennt, in ihrer Ausrichtung korrigiert und mit den Beckenknochen wieder durch Schrauben verbunden. Manchmal muss zusätzlich die Winkelausrichtung des Hüftkopfes durch eine Umstellung des Oberschenkelknochens korrigiert werden.

Fallbeispiel – Hüftdysplasie
Bei einer 22jährigen Patientin besteht seit mehreren Monaten Schmerzen im Bereich der rechten Leiste bei körperlicher Belastung. Die Röntgenaufnahmen zeigen eine Hüftdysplasie. In der Operation wird in der so genannten Tripleosteotomie die Pfanne an allen drei Pfeilern des Beckenknochens durchtrennt, in ihrer Ausrichtung korrigiert und anschließend wieder mit Schrauben am Beckenknochen befestigt. Der Patient kann sofort postoperativ mobilisiert werden. Innerhalb von 12 Wochen wir die Belastung des operierten Beines schrittweise gesteigert. Der stationäre Aufenthalt beträgt ca. 7 - 10 Tage.

Hüftkopfnekrose

Die Hüftkopfnekrose ist eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes. Sie läuft stadienhaft ab und endet unbehandelt in dem Zusammenbruch des Hüftkopfes. Das Anfangsstadium (Bone Marrow Edema Syndrom) kann reversibel sein. Eine frühzeitige Therapie verbessert die Prognose. Sie besteht in den Anfangsstadien in einer Anbohrung des Hüftkopfes, wodurch eine Druckreduzierung und damit die Möglichkeit der Durchblutungsverbesserung erzielt werden. Dies wird minimalinvasiv durchgeführt. Nach Zusammenbruch des Hüftkopfes wird der endoprothetische Ersatz notwendig.

Oberschenkelbruch

Durch einen schweren Sturz oder Schlag auf die Hüfte kann der Oberschenkelknochen (Femur) brechen. Dies geschieht normalerweise im Bereich des Schenkelhalses; betroffen sind meist ältere Personen.
Ein Oberschenkelhalsbruch muss in jedem Fall klinisch versorgt werden -sehr häufig mit einem künstlichen Gelenkersatz.

Rheumatoide Arthritis

Unter „Rheuma“ versteht man nicht eine einzelne, sondern eine Vielzahl von Erkrankungen: Fast 450 verschiedene Krankheitsbilder, die alle mit chronischen, schmerzhaften und mit dauerhaften Mobilitätseinschränkungen des Bewegungsapparates zusammenhängen, sind unter diesem Begriff zusammengefasst. Die so genannte „rheumatoide Arthritis“ oder auch „chronische Polyarthritis“ ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Man schätzt, dass in Deutschland rund 800.000 Menschen an dieser Erkrankung leiden. Die Ursache der Krankheit ist nicht geklärt. In Fachkreisen werden Störungen des Immunsystems („Autoimmunerkrankung“), Viren- oder Bakterieninfektionen oder auch eine erbliche Veranlagung als mögliche Ursachen diskutiert. Die rheumatoide Arthritis tritt schubweise auf. Typische Symptome sind starke Schmerzen, Schwellungen und eine Überwärmung der Gelenke. Die Beweglichkeit ist vor allem am Morgen stark eingeschränkt („Morgensteife“). Darüber hinaus kann die dauerhafte Entzündung der Gelenke zu bleibenden Schäden an Gelenkknorpel und –knochen führen. Die Gelenkstrukturen degenerieren und werden zerstört.

Hüft-Totalendoprothese

Eine Hüft-Totalendoprothese ist der Ersatz des erkrankten Hüftgelenkes durch ein künstliches Implantat. Die Endoprothese besteht aus der Hüftpfanne und dem Hüftschaft, auf den ein Kugelkopf aufgesetzt wird, der sich in der Pfanne bewegt. Die Gelenkkomponenten, das heißt die Gelenkflächen, die direkten Kontakt miteinander haben (Gleitpaarung), sind ein Keramikkopf, der gegen einen Pfanneneinsatz aus Polyethylen oder Keramik läuft, oder ein Metallkopf, der gegen einen Pfanneneinsatz aus Metall oder Polyethylen. Alle verwendeten Materialien sind speziell für medizinische Zwecke entwickelt. Sie zeichnen sich durch eine maximale Gewebeverträglichkeit aus und ermöglichen eine möglichst schmerzfreie und dauerhafte Funktion.

 Aufbau des Hüftgelenkersatzes
Ein künstliches Hüftgelenk setzt sich aus vier Komponenten zusammen.  Der Hüftschaft wird im Oberschenkelknochen verankert. Auf den Konus des Schaftes wird ein Kugelkopf aus verschleißfestem Metall oder Keramik gesetzt, der – wie der natürliche Hüftkopf – in der Hüftpfanne mit dem Pfanneneinsatz gleitet. Die Hüftpfanne wird im Becken verankert.

Woraus bestehen künstliche Hüftgelenke?
Überall dort, wo natürliche Knochen mit künstlichen Gelenken zusammentreffen, spielen Material und Oberflächenbeschaffenheit eine zentrale Rolle, um eine schmerzfreie Gelenkbewegung zu ermöglichen und vom Körper dauerhaft toleriert zu werden. Im Allgemeinen werden drei Materialarten für orthopädische Zwecke verwendet: Metalle, Polymere und Keramik. Implantate sind im Körper hohen Belastungen ausgesetzt und müssen daher aus sehr widerstandsfähigem Material bestehen. Hüftschäfte oder Schienbeinkomponenten von Knieendoprothesen werden heiß geschmiedet, um die erforderliche Widerstandskraft des Materials zu erreichen. In der Vergangenheit wurden alle Metalle gegossen, während heute das Heißschmieden ein Standardprozess ist, der zu sehr guten Ergebnissen in metallurgischer und physikalischer Hinsicht führt.

Verankerungstechniken
Es gibt drei Möglichkeiten, die Endoprothese zu implantieren. Entscheidend für die Auswahl des „richtigen“ Verfahrens ist in jedem individuellen Krankheitsfall die Knochenqualität des Patienten.

Zementierte Endoprothese
Hüftschaft und -pfanne werden mit einem schnell härtenden Kunststoff, dem so genannten Knochenzement, im Becken und im Oberschenkelknochen befestigt. Ein zementiertes Gelenk ist sofort belastbar.

Zementfreie Endoprothese
Der Hüftschaft wird in den Knochen eingepresst. Die Hüftpfanne wird eingepresst oder eingeschraubt. Durch das knochenfreundliche Material heilen diese Komponenten schnell in den Knochen ein und das Gelenk wird langfristig fixiert

Hybrid-Endoprothese (Mischform)
In der sogenannten hybriden Implantationstechnik sind die Vorzüge beider Verfahren vereint. Die Pfanne wird zementfrei verankert, der Prothesenschaft hingegen im Oberschenkelknochen einzementiert. Ein durch Arthrose zerstörtes Hüftgelenk muss immer komplett ersetzt werden. Das heißt, durch eine künstliche Gelenkpfanne, die in das Becken eingepresst oder eingeschraubt wird, einem Hüftschaft, der in den Oberschenkelknochen (Femur) implantiert wird und einem Kugelkopf, der auf den Hüftschaft gesetzt wird und sich in der Pfanne bewegt.

Oberflächenersatz

Gelenkersatz ist nicht mehr ausschließlich ein Problem des höheren Lebensalters. Zunehmend wird die Implantation von künstlichen Gelenken bei Menschen vorgenommen, die jünger als 50 Jahre sind. Das Anspruchsdenken an Gesundheit und Unversehrtheit ist deutlich gewachsen: Jüngere Patienten sind nicht bereit, Einschränkungen ihrer Lebensqualität und Beweglichkeit hinzunehmen. Der Oberflächenersatz wurde speziell für junge und aktive Patienten entwickelt, um die Knochensubstanz weitestgehend zu erhalten und einen optimalen Bewegungsumfang bei gleichzeitiger Gelenkstabilität zu ermöglichen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hüftschaft-Systemen wird beim Oberflächenersatz der Hüftkopf weitgehend erhalten: Eine „Kappe“ wird mittels Knochenzement auf dem Hüftkopf verankert.

Innovatives Prothesendesign
Das innovative Prothesendesign des Oberflächenersatzes „Durom™ Hip Resurfacing“ wurde erst durch die Kombination mit einer verschleißresistenten Werkstoff-Technologie realisierbar. Dieser Werkstoff besteht aus einer besonders abriebarmen Kobaltchrom-Legierung. In 15 Jahren klinischer Anwendung konnten mit mehr als 200.000 Implantationen dieser Metall-Gleitpaarung umfangreiche Langzeiterfahrungen gewonnen werden.