Wenn wir gehen, uns strecken oder beugen, ist unser größtes Gelenk aktiv – das Kniegelenk. Es stellt die bewegliche Verbindung zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein dar und ermöglicht in erster Linie die Streckung und Beugung.

Wie funktioniert das Kniegelenk?

Das Kniegelenk ist das größte und komplizierteste Gelenk unseres Körpers. Damit die Last gleichmäßig verteilt wird, besitzt das Knie zwei kleine, elastische halbmondförmige Faserknorpelscheiben, den Innen- und den Außenmeniskus. Sie passen sich jeder Bewegung an und dienen als eine Art Stoßdämpfer. Zum Schutz gegen ein Ausrenken wird das Knie von starken Bändern, den Kreuz- und Seitenbändern, gehalten. Das Kniegelenk muss, wie alle Gelenke, ausreichend bewegt werden, damit die Durchblutung und die Versorgung mit Nährstoffen gewährleistet ist. Nur dann kann das Knie die Belastungen, denen es täglich ausgesetzt ist, meistern. Darüber hinaus lässt es auch geringe Drehungen des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel zu; dies allerdings nur, wenn das Knie gebeugt ist. Das Kniegelenk besteht aus der Oberschenkelrolle und dem Schienbeinkopf, die beide mit einer stärkeren Knorpelschicht überzogen sind. Im dazwischen liegenden Gelenkspalt befinden sich die Menisken (Zwischengelenkscheiben). Sie fangen die gewaltigen Kräfte, die im Laufe unseres Lebens auf das Gelenk einwirken, federnd ab. Das Gelenk selbst wird durch eine Kapsel nach außen abgedichtet. Sie produziert eine Flüssigkeit, die den Knorpel ernährt und die Kniescheibe geschmeidig gleiten lässt. Kreuzbänder zwischen den Knochen geben dem Gelenk die notwendige Stabilität; durch Muskeln und Sehnen wird es bewegt.

Chronischer Verschleiß am Kniegelenk

Arthrose, d.h. der krankhafte Verschleiß des Gelenkknorpels, ist die häufigste Ursache für Kniebeschwerden und nimmt bei den Gelenkschäden - auch im jüngeren Alter - eine immer größere Bedeutung ein. Wenn sich der Knorpel im Kniegelenk abnutzt, ist dies ein Prozess, den man nicht rückgängig machen kann. Der hyaline Knorpel, der am Gelenkkopf den Knochen schützt, ist bei Schädigung nicht in der Lage sich selbst zu heilen. Durch den zunehmenden Verschleiß des Knorpels kommt es zum direkten Kontakt von Knochen auf Knochen. Die Folgen der Arthrose am Knie („Gonarthrose“) sind starke Schmerzen bei Belastung. Die schmerzfreien Gehstrecken werden immer kürzer. Zuletzt entstehen auch im Ruhezustand starke Schmerzen. Gleichzeitig werden die Beweglichkeit und die Stabilität des Kniegelenks immer schlechter. Die Ursache ist häufig eine Fehlstellung der Beine. So belasten zum Beispiel X- oder O-Beine die Kniegelenke einseitig. Aber auch Unfälle oder die oben genannten Sportverletzungen sind Ursache für den Verschleiß.

Achskorrektur (supracondylär)

Unbehandelte Achsfehlstellungen führen zu einer frühzeitigen Arthrose des benachbarten Gelenkes. In unserer Abteilung werden die Knochen am Oberschenkel und am Hüftgelenk operativ umgestellt.  Bei der kniegelenknahen, so genannten suprakonylären Umstellungsosteotomie wird eine Achsfehlstellung (meist X-Bein) mittels Durchtrennung des Oberschenkelknochens und anschließender Stabilisierung mit einer Platte korrigiert. Hier verwenden wir moderne, winkelstabile Implantate. Hierdurch können die Patienten rasch mobilisiert und zügig wieder das operierte Bein voll belasten.

Grundsätzliches zur Therapie

Bei der Behandlung der Kniearthrose steht eine große Vielfalt von konservativen und operativen Behandlungsmethoden zur Verfügung. Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass nur der differenzierte Einsatz der Therapiemöglichkeiten passend zu den verschiedenen Stadien des Kniegelenkverschleißes zum Erfolg führen kann. Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist es, die Folgen des Verschleißes und des Substanzverlustes am Knorpel sowie die Reaktionen und Reizzustände der Gelenkkapsel, die das Gelenk schützend umgibt und mit Flüssigkeit ernährt, zu minimieren.

Konservative Therapie

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, die die Knorpel- oder Knochenschäden nicht beseitigen, aber eine Operation hinauszögern können. Hier ein Überblick über die so genannten konservativen Behandlungsmethoden.

Durchblutungsfördernde Maßnahmen
Eine bessere Durchblutung des betroffenen Gelenkes kann durch Fangopackungen, heiße Wickel und ähnliche Anwendungen erzielt werden. Auch Kurzwellenbehandlung und Ultraschalltherapie können Linderung verschaffen, ebenso wie Unterwassertherapien.

Bewegung stärkt die Muskeln
Soweit die Schmerzen es zulassen, kann gezielte Krankengymnastik empfohlen werden, die der Kräftigung der Muskulatur und der Beweglichkeit dient. Besonders empfehlenswert sind Schwimmen und Bewegungen im warmen Wasser, da hier die schmerzhafte Gewichtsbelastung durch den Körperauftrieb entfällt.

Medikamente gegen Entzündung
Im Falle einer akuten Entzündung des Gelenkes ist der Einsatz von Medikamenten neben der Physiotherapie sinnvoll. Häufig werden so genannte Antirheumatika verschrieben. Diese Medikamente dürfen wegen eventueller Nebenwirkungen ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Wenn die Schmerzen und die Behinderung im Kniegelenk zunehmen und die konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind, wird das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenkes empfohlen.

Unikondyläre Schlittenprothese

Die unikondyläre Schlittenprothese ersetzt nur eine Gelenkfläche des Kniegelenkes zwischen dem Ober- und Unterschenkel und kommt bei den Patienten in Frage, die eine Arthrose nur dieser entsprechenden Gelenkfläche aufweisen und deren Bänder intakt sind.

Die Vorteile der unikondylären Prothese auf einen Blick
Die Vorteile sind ein kleinerer Eingriff, physiologischer Erhalt aller Bänder und damit der normalen Kinematik, schnelle Rehabilitation. Das von uns verwendete Modell (Oxford; 170 pro Jahr) besteht aus drei Teilen und hat den Vorteil, dass das Inlay mobil ist. Hierdurch kann die Prothese knochensparender eingesetzt werden und der Abrieb des Inlays ist deutlich geringer als bei Prothesenmodellen mit nichtmobilem Inlay. Unter anderem hierdurch sind die publizierten Standzeiten der von uns in minimalinvasiver Technik implantierten Prothese mit denen sogenannter Vollprothesen vergleichbar.

Fallbeispiel – unikondyläre Prothese
Bei einem 66jährigen Patienten bestehen seit 3 Jahren zunehmende Belastungsschmerzen am äußeren Kniegelenk. Die schmerzfreie Gehstrecke ist nur noch 300 Meter und es bestehen Ruheschmerzen. Die konservativen Therapiemaßnahmen sind erfolglos. Untersuchungen zeigen eine isolierte laterale Arthrose des Kniegelenkes bei stabilen Band- und korrekten Achsverhältnissen. In einer minimalinvasiven Technik wurde ein lateraler Oxford-Schlitten implantiert. Der Patient war nach der OP schnell schmerzfrei und verließ die Klinik nach 7 Tagen mit einer Beweglichkeit von 0-0-120 Grad (Streckung/Beugung).

Verankerungstechniken

Zementierte Endoprothese
Die Ober- und Unterschenkelhalsknochen werden mit Knochenzement, einem schnell härtenden Kunststoff, befestigt. Ein zementiertes Gelenk ist sofort belastbar.

Zementfreie Endoprothese
Alle Komponenten werden ohne Knochenzement implantiert. Der Knochen wächst an die Endoprothese an.

Hybrid-Endoprothese
In der sogenannten hybriden Implantationstechnik wird der Oberschenkelhalsknochen zementfrei und der Unterschenkelhalsknochen mit Zement im Knochen verankert.

Oberflächenersatz

Doppelschlitten/ Gelenkersatz: Der bikondyläre Kniegelenkersatz (Oberflächenersatz) ist für Patienten, deren Kniegelenk vielfältig geschädigt ist. Bei völlig zerstörten Knien lassen sich auch bei jüngeren und aktiven Patienten Oberflächen-Knieendoprothesen mit beweglichen Anteilen („Mobile Bearing“) zur Imitierung eines möglichst "physiologischen" Bewegungsablaufes implantieren.

Knieprothesenwechsel

Bei dem Knieprothesenwechsel gilt es eine neue Prothese wieder sicher in dem Knochen zu befestigen und ein stabiles, gut bewegliches Kniegelenk zu erhalten. Hierbei müssen individuell abhängig von der Knochen- und der Weichteilsituation meist modulare Revisionsprothesen mit unterschiedlichem Kopplungsgrad und unterschiedlichen Komponenten zur Knochenfixation bzw. zum Knochendefektaufbau gewählt bzw. kombiniert werden.

Fallbeispiel – Knieprothesenwechsel
Bei einer 64jährigen Patientin ist es bei einer auswärtigen Knie-Totalendoprothesen-Implantation zu einem verbleibenden O-Bein gekommen, das in einer im Oberschenkel bestehenden Fehlstellung begründet ist. Bei der präoperativen Diagnostik wird ein gleichzeitig bestehender periprothetischer Infekt festgestellt. In einer ersten Operation wird zunächst die alte Prothese entfernt und ein Antibiotika-freigebender Platzhalter eingesetzt. Weiterhin wird zur Behandlung der Infektion eine systemische Antibiose gegeben. Nach 14 Tagen wird die Patientin zunächst an zwei Unterarmgehstützen mobilisiert nach Hause entlassen. Vier Wochen später wird eine neue achsgeführte Prothese implantiert und die Oberschenkelachse gleichzeitig durch eine Umstellung korrigiert. Aufgrund der früheren Infektion werden wieder sechs Wochen Antibiotika gegeben. Die Patientin kann rasch unter Vollbelastung mobilisiert werden und verlässt die Klinik wieder nach 14 Tagen.