Operationstechnik – Endoprothetik

Bei der minimalinvasiven Operationsmethode setzt der Operateur das Implantat über kleinere Hautschnitte und gewebeschonende Techniken ein. Der operierende Arzt wird nach einer eingehenden Untersuchung entscheiden, ob ein minimalinvasiver Eingriff die Methode der Wahl ist. Grundsätzlich kann die minimalinvasive Operationstechnik bei Patienten jeder Altersstufe angewendet werden, sofern die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind. Starkes Übergewicht, Thrombosegefahr, Knochendeformitäten, Voroperationen oder Vorerkrankungen, die das Operationsrisiko erhöhen, können Gründe dafür sein, die herkömmliche Operationsmethode vorzuziehen. Vorteile des minimal invasiven Zugangs sind Schonung der umliegenden Muskeln und daher geringere Blutungen, weniger Schmerzen. Damit ergeben sich verbesserte Chancen auf zügigere Heilung und schnellere Rehabilitation.

Was ist eine Hüft-Totalendoprothese (HTEP)?

Eine Hüft-Totalendoprothese ist der Ersatz des erkrankten Hüftgelenkes durch ein künstliches Implantat. Der Ersatz geschädigter Gelenke ist einer der größten orthopädischen Fortschritte des 20. Jahrhunderts. Dank ständigen technologischen Fortschritts und Einbringung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse hat er sich heute zu einem nahezu perfekten Verfahren weiterentwickelt.
Arthrose zählt zu den großen Volkskrankheiten: In Deutschland werden pro Jahr ca. 180.000 künstliche Hüftgelenke implantiert, so dass man hier von einem Routineeingriff sprechen kann. (In Europa werden jährlich bereits 550.000 Hüft-Totalendoprothesen implantiert).
Die medizinische Forschung und Entwicklung hat auf diesem Gebiet Großartiges geleistet. In den vergangenen 40 Jahren wurden spezielle Werkstoffe und Designs für anatomische und körperfreundliche Gelenkimplantate erforscht, die möglichst lange Standzeiten haben, d.h. lange im menschlichen Körper bleiben.

Grundsätzliches zur Operation

Beim operativen Eingriff wird das erkrankte Hüftgelenk durch ein Kunstgelenk ersetzt. Die Operation kann in Voll- oder Teilnarkose erfolgen. Die Teilnarkose hat den Vorteil einer geringeren Beeinflussung des Allgemeinzustandes. Viele Patienten werden heute in Teilnarkose operiert. Patienten erhalten dabei zusätzlich ein Beruhigungsmittel und können die Operation mit verfolgen und dabei über Kopfhörer Musik hören, ohne Schmerzen zu verspüren. Welche Methode sich im jeweiligen Fall empfiehlt, besprechen Patienten vorab mit ihrem Anästhesiearzt. Der gesamte Eingriff dauert in der Regel ein bis zwei Stunden. Nicht unerwähnt bleiben sollten die Risiken. Zum Beispiel Blutergüsse, Infektionen, Allergien, Blutungsgefahr und Thrombosen. Doch meist sprechen die Vorteile für einen Eingriff – auch bei älteren Patienten. Der Arzt wird Patienten immer zu deren persönlichem Fall beraten. Von jedem Prothesentyp existiert eine Vielzahl von Modellen in unterschiedlichen Größen. Die Wahl der Endoprothese richtet sich nach der Knochenbeschaffenheit, dem Körpergewicht und den körperlichen Aktivitäten des Patienten.

Operationstechniken

Herkömmliche Operation

Schritt 1:
Über einen Schnitt an der Außenseite des Oberschenkels wird das Hüftgelenk erreicht. Der freigelegte Oberschenkelhals wird durchtrennt und der erkrankte Hüftkopf entfernt.

Schritt 2:
Im zweiten Schritt ersetzt der Operateur die natürliche Hüftpfanne im Becken durch eine Prothesenpfanne.

Schritt 3:
Danach wird der Markraum des Oberschenkelknochens vorbereitet, um den Prothesenschaft mit oder ohne Knochenzement exakt zu fixieren.

Schritt 4:
Auf den Prothesenschaft wird ein Kugelkopf gesetzt. Er stellt die bewegliche Verbindung zwischen dem Schaft und der künstlichen Hüftpfanne dar.

Schritt 5:
Nach dem Einsetzen von Prothesenschaft mit Kugelkopf in die Hüftpfanne wird das künstliche Gelenk auf seine optimale Beweglichkeit geprüft.

Schritt 6:
Anschließend wird die Wunde verschlossen. Am Ende der Operation wird ein Kompressionsverband angelegt und ein erstes Röntgenbild erstellt. In die Wunde eingelegte Drainageschläuche verhindern Blutergüsse, da nachsickerndes Blut abfließen kann.

Minimalinvasive Verfahren

Neben der herkömmlichen Operationsmethode gibt es so genannte minimalinvasive Verfahren. Dabei handelt es sich um gewebeschonende operative Methoden, bei denen der Hüftgelenkersatz mit einem oder zwei kleinen Hautschnitten implantiert wird. Das Besondere am minimalinvasiven Vorgehen ist die Schonung der Weichteile, d.h. der Muskeln, Sehnen und des Gewebes. Im Gegensatz zu herkömmlichen Operationsmethoden wird das Gewebe lediglich stumpf gedehnt oder gespreizt. Auf die Durchtrennung oder das Ablösen des Muskelgewebes kann verzichtet werden. Die Schonung der umliegenden Muskeln, Sehnen und muskelversorgenden Nerven während der Operation bedeutet für den Patienten normalerweise: kleinere Hautschnitte und kleinere Narben, weniger Blutverlust und Schmerzen, geringerer Schmerzmittelverbrauch und weniger Bewegungseinschränkungen, schnellere Mobilisierung, Belastbarkeit und Rehabilitation.

Hüftprothesenwechsel

Die Standzeit der Hüftendoprothesen ist begrenzt. Bei dem Lockerungsprozess kommt es zu einer zunehmenden Schwächung des Knochens, so dass der Wechsel bei einer gesicherten Prothesenlockerung nicht lange hinausgeschoben werden sollte. Es können isoliert die Pfannen- oder die Schaftkomponente gelockert sein, oder beides. Vorher muss durch gezielte Diagnostik ausgeschlossen werden, dass es sich um eine bakteriell bedingte Prothesenlockerung handelt. Die Therapie besteht in der sicheren Fixation eines neuen Implantates. Durch die Schwächung des Knochens ist die zementierte Fixation der zementlosen deutlich unterlegen. Daher verwenden wir als Referenzzentrum für Wechselendoprothetik modulare, zementlose Implantate. Die Modularität dieser Revisionsimplantate ermöglicht die individuelle Anpassung der Prothesenfixation und des Implantates auf die jeweilige spezielle Knochen- und Weichteilsituation. Der stationäre Aufenthalt beträgt ca. 12-14 Tage.

Vor der Operation

Der Erfolg einer Operation und der Heilungsprozess hängen wesentlich von der Mitarbeit der Patienten ab. Durch eine richtige Vorbereitung und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen können eventuelle Risiken entscheidend verringert werden. Dazu gehört z. B. die Verbesserung des Allgemeinzustandes, wie der Verzicht auf Tabak und Zigaretten und/oder das Reduzieren von Übergewicht. Für eine schnelle Rehabilitation ist es überdies sehr hilfreich, wenn sich die Patienten bereits vor der Operation mit den krankengymnastischen Übungen und dem Umgang mit Gehstützen vertraut machen. Falls regelmäßig ein Aspirin-Präparat eingenommen wird, sollte dieses in Absprache mit dem Hausarzt rechtzeitig vor dem Eingriff abgesetzt werden, um ein erhöhtes Blutungsrisiko zu vermeiden. Wer jünger als 75 Jahre und körperlich gesund ist, kann vor einer Hüftoperation eigenes Blut spenden, das im Falle eines zu hohen Blutverlustes wieder zugeführt werden kann.

Was nehme ich mit in die Klinik?
Neben persönlichen Sachen empfehlen wir Folgendes mitzunehmen:
Bademantel; Jogginganzug mit weitem Fußeinstieg; feste, haltgebende Schuhe mit rutschfesten Gummisohlen (falls Turnschuhe, am besten mit Klettverschluss); Badekleidung; langer Schuhlöffel; sonstige Hilfsmittel

Eigenblutspende
Da bei Implantationen von Hüft-Endoprothesen trotz gewebeschonender Operationsverfahren ein relevanter Blutverlust nicht sicher auszuschließen ist, bieten wir unseren Patienten in Zusammenarbeit mit der hauseigenen Klinik für Anästhesiologie die Eigenblutspende an. So lässt sich in Verbindung mit der Verwendung von cell-saver (intraoperative Rückgabe des abgesaugten Bluts) und Autoretransfusionsverfahren (Rückgabe von Drainageblut) meist die Gabe von Fremdblut völlig vermeiden.