In den ersten sechs bis acht Wochen nach der Operation ist das neue Gelenk noch relativ ungeschützt, bis die Muskulatur wieder gestärkt und aufgebaut ist. Sie gibt dem Gelenk die notwendige Stabilität und schützt es gegen falsche Bewegungen. Wir geben Tipps, wie dem neuen Gelenk bei den täglichen Aktivitäten durch richtiges Verhalten der anfängliche nötige Schutz geboten wird.

Medikamente/ Kompressionsstrümpfe

Um das Risiko einer Thrombose (Blutgerinnsel, das die Venen im Bein verstopft) oder einer Lungenembolie (in die Lungen gelangtes Blutgerinnsel) zu verringern, erhalten Sie vor und nach der Operation Medikamente und tragen je nach Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt bis etwa einen Monat nach der Operation Kompressionsstrümpfe. Diese können Sie morgens beim Baden oder Duschen und abends kurz ausziehen, aber nicht länger als 30 Minuten. Die Strümpfe sollten beim Tragen keine Falten schlagen. Besonders wichtig ist das Tragen der Kompressionsstrümpfe in der Nacht.

Duschen/ Sex

Sobald Ihre Narbe völlig trocken ist, dürfen Sie duschen gehen. Beim Abtrocknen bitte nicht trocken reiben, sondern sanft abtupfen. Sollten sich jedoch leichte Bläschen oder kleine Wundbereiche um die Narbe bilden, befragen Sie bitte noch einmal Ihren Arzt. Zirka 6–12 Wochen nach der Operation mit anfänglich eingeschränktem Bewegungsmuster und Rücksprache mit Ihrem Arzt ist Sex erlaubt. Dabei sollte eine übersteigerte Hüftbeugung von mehr als 90 ° vermieden werden. Die Seitenlage auf dem nicht operierten Hüftgelenk ist eine für beide Geschlechter gleichermaßen empfehlenswerte Körperhaltung. Beim operierten Mann zusätzlich die Rückenlage. Nach und nach wird für Frau und Mann wieder eine schrittweise Normalisierung der Sexualpraktiken möglich. Dennoch sollten Sie auch zukünftig auf »akrobatische Positionen« verzichten, um Ihr neues Gelenk nicht zu sehr zu belasten.

Gesunde Ernährung

Es gibt keine besonderen Einschränkungen bezüglich der Ernährung. Bevorzugen Sie abwechslungsreiche Kost mit viel Obst und Gemüse und trinken Sie täglich sechs bis acht Gläser Wasser. Dies hilft die Verdauung zu fördern.

Gehen mit Gehstützen

Beim Stehen sollten Sie beide Stützen geringfügig vor und seitlich zu den Füßen stellen. Die Hüfte dabei möglichst gerade halten. Ziel sollte es sein, mit leicht gebeugten Ellenbogen gerade stehen zu können. Stützen Sie sich beim Gehen fest auf die Handgriffe Ihrer Gehhilfen. Achten Sie darauf, das Gewicht mit den Händen und nicht mit den Unterarmen zu tragen. Belasten Sie die operierte Hüfte beim Gehen so, wie Sie es in der Klinik gelernt haben. Versuchen Sie das Treppensteigen beim ersten Mal nicht allein. Setzen Sie zuerst das gesunde Bein auf die erste Treppenstufe. Drücken Sie sich mit dem gesunden Bein und mit Ihren Händen ab, um das operierte Bein auf dieselbe Stufe zu heben. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis Sie auf dem oberen Treppenabsatz angekommen sind. Das Gleiche gilt, wenn die Treppe ein Geländer hat. Setzen Sie beide Stöcke auf die erste Stufe und stellen zuerst das operierte Bein auf diese Stufe. Verlagern Sie dabei so viel Gewicht wie möglich auf die Gehstützen. Stellen Sie anschließend das gesunde Bein hinunter auf diese Stufe. Wenn Ihr gesundes Bein kräftig genug ist, können Sie aber auch beide Stöcke gleichzeitig mit dem operierten Bein auf die nächste Stufe stellen und das gesunde Bein nachstellen.

Richtig sitzen

Vermeiden Sie in der Anfangsphase das Sitzen in tiefen Sesseln (Luxationsgefahr). Ideal sitzen Sie auf hohen, stabilen Stühlen mit Armlehnen. Mit einem Kissen können Sie die Sitzhöhe erhöhen. Zum Hinsetzen gehen Sie rückwärts zum Stuhl, bis Sie leicht die Stuhlkante spüren. Nehmen Sie dann beide Stöcke Ihrer Gehhilfen auf die Seite des gesunden Beines. Stützen Sie sich beim Setzen auf den Lehnen ab und strecken das operierte Bein leicht nach vorn. Sitzen Sie aufrecht, die Beine sind im »stumpfen Winkel« zum Körper (Hüften leicht höher als Knie). Zum Aufstehen rutschen Sie nach vorn und stehen mit Hilfe der Armlehnen zuerst mit dem gesunden Bein auf. Das operierte Bein ist wieder leicht vorgestreckt.

Zur Toilette gehen

In der Übergangszeit ist ein erhöhter Toilettensitz empfehlenswert. Sie greifen mit beiden Stützen auf der gesunden Seite entweder zu den Armlehnen eines vorhandenen Toilettenstuhles oder zum Haltegriff neben der Toilette. Dann langsam niedersetzen und dabei das operierte Bein leicht vorstrecken. Aufstehen, wie beim Stuhl, durch Abstützen auf den Armlehnen oder dem Haltegriff. Das operierte Bein ist leicht vorn.

Ins Auto einsteigen

Fahren Sie selbst erst wieder Auto, wenn Ihr Arzt es Ihnen erlaubt hat und Sie keine Gehstützen mehr benötigen. Steigen Sie möglichst auf der Seite ein, wo Sie am meisten Beinfreiheit haben (in der Regel auf der Beifahrerseite. Setzen Sie sich rückwärts auf den Autositz. Heben Sie langsam und in kleinen Schritten Ihre Beine ins Auto, am besten mit Unterstützung Ihrer Hände unter dem Oberschenkel. Achten Sie darauf, dass die Bewegungen gleichmäßig mit dem Becken und den Beinen erfolgen. Der Körper sollte möglichst gerade bleiben.

Im Bad

In der Dusche helfen Ihnen eine rutschfeste Unterlage und ein Haltegriff an der Wand, das Gleichgewicht zu halten. Vergewissern Sie sich vor dem Duschen, dass das Wasser richtig temperiert ist. Stellen Sie zuerst das gesunde Bein in die Duschkabine. Die Gehhilfen sind außerhalb, aber in bequemer Reichweite. Nehmen Sie am besten einen Schwamm mit langem Handgriff, damit Sie sich nicht vornüber beugen müssen. Treten Sie beim Verlassen der Duschkabine zuerst mit dem operierten Bein hinaus. Gehen Sie mit Hilfe Ihrer Gehhilfen zur Breitseite der Badewanne. Vergewissern Sie sich, dass Ihr Wasser gut temperiert ist. Zum Einsteigen auf den Rand setzen oder auf einen Stuhl, der höher sein sollte und direkt neben der Wanne steht. Heben Sie erst das operierte und dann das gesunde Bein über den Wannenrand und setzen Sie sich möglichst so, dass Sie gegenüber dem Wasserhahn sitzen. Sie können das Bein mit Hilfe Ihrer Hände unter dem Oberschenkel in die Wanne heben. Zum Verlassen der Wanne die Beine wieder vorsichtig über den Wannenrand heben.

Das Schlafen

Setzen Sie sich nahe dem Kopfende rückwärts auf das Bett. Rutschen Sie mit dem Gesäß leicht nach hinten und heben zuerst Ihr operiertes Bein auf das Bett. Sie können unterstützend einen Beinheber verwenden oder einfach den gesunden Fuß unter dem operierten Bein kreuzen und so das Gewicht tragen. Anschließend folgt das gesunde Bein, danach können Sie sich auf den Rücken legen. Die Bewegungen sollten gleichmäßig mit Becken und Beinen erfolgen. Die Beine bleiben leicht gespreizt. Aufstehen zuerst mit dem gesunden Bein. Dann heben Sie das operierte Bein aus dem Bett, strecken es leicht nach vorn und suchen das Gleichgewicht, bevor Sie sich auf beide Füße stellen. Das Bett sollte fest stehen und etwa 70 cm hoch sein. Wenn es zu niedrig ist, können Sie eine zweite Matratze einlegen. Empfehlenswert ist das Schlafen auf dem Rücken. Wenn Sie gern auf der Seite liegen, sollten Sie sich ein Kissen zwischen die Knie legen, damit sich Ihre Beine während des Schlafens nicht überkreuzen können und die Hüfte einseitig dreht. Das Schlafen in einer Lagerungsschiene verhindert in der ersten Zeit ein Außen- und Innendrehen des operierten Beines.

Das Anziehen

Bevorzugen Sie bequeme Kleidung. Das Anziehen kann anfänglich unter Fremdhilfe erfolgen oder durch den Einsatz von Hilfsmitteln. Hierzu fassen Sie mit dem Haken Ihres Anziehstocks den Bund Ihrer Kleidung und ziehen sie zuerst über das operierte Bein bis über das Knie. Dann stellen Sie sich mit Hilfe einer Gehhilfe auf Ihr gesundes Bein und ziehen das Kleidungsstück ganz nach oben. Beim Ausziehen schlüpfen Sie zuerst mit dem gesunden Bein aus der Kleidung. Ziehen Sie Ihre Socken zuerst auf einen Strumpfanzieher. Ferse und Zehenteil von der Socke sollten vorn eng anliegen. Sie halten die Bänder seitlich fest, schlüpfen in die Socke und ziehen sie mit dem Strumpfanzieher hoch. Auf der nicht operierten Seite können Sie die Socke unter Anheben des Fußes anziehen, nicht hinunter bücken. Zum Ausziehen haken Sie mit dem Strumpfanzieher hinten an der Ferse ein und ziehen die Socke vom Fuß. Tragen Sie flache, feste Schuhe mit einfachem Einstieg ohne Schnürsenkel (Slipper), sodass Sie sich beim Anziehen nicht vornüber beugen müssen. Verwenden Sie zum An- und Ausziehen einen Anziehstock oder einen Schuhlöffel mit extra langem Griff.

Im Haushalt

Vorteilhaft ist eine Schürze mit mehreren Taschen. Heiße Flüssigkeiten am besten in Behältern mit Deckel transportieren. Schieben Sie Gegenstände auf der Theke entlang, anstatt sie zu tragen. Machen Sie beim Gehen grundsätzlich kleine Schritte, anstatt Ihren Körper zu drehen. Verwenden Sie eine Greifzange zum Aufheben von Gegenständen. Das operierte Bein beim Hantieren am Backofen nicht beugen, sondern mit gestrecktem Knie nach vorn halten. Wenn Sie auf einem Stuhl sitzen, stellen Sie ihn so, dass die operierte Beinseite zum Ofen zeigt. Benutzen Sie zum Tisch decken und Geschirr transportieren einen Servierwagen (ca. 80 cm hoch), um unnötige Wege zu vermeiden.

Sonstiges

Beginnen Sie frühzeitig mit regelmäßigen Spaziergängen auf gut ausgebauten Wegen. Zu Beginn genügt ein kurzer Spaziergang von 5 bis 10 Minuten. Steigern Sie allmählich Ihre Gehstrecke. Vermeiden Sie unebene, rutschige Wege und tragen Sie immer festes Schuhwerk. Sie sollten erst wieder Auto fahren, wenn Ihr Arzt es Ihnen erlaubt. Sie müssen beide Beine zur Bedienung der Pedale gut unter Kontrolle haben und keine Gehhilfen mehr benötigen. Diese Vorschrift ist zu Ihrem eigenen und zum Schutz Ihrer Mitmenschen gedacht. Fahren Sie auch kein Auto, wenn Sie Schmerzmittel eingenommen haben. Regelmäßige Nachuntersuchungen sind erforderlich. Nachsorgetermine tragen Sie am besten gleich in Ihren Endoprothesenpass ein, den Sie in der Klinik erhalten.