Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist das häufigste und gleichzeitig das bekannteste periphere Nervenengpasssyndrom. Die betroffenen Mittelnerven im Bereich des Handwurzelkanals durchlaufen an den Extremitäten natürliche Engstellen. Kommt es in einem solchen Bereich zur weiteren Einengung, so entsteht am betroffenen Nerven ein Druckschaden. In diesem Fall spricht man von einem peripheren Nervenengpasssyndrom. Das Geschehen kann sich akut entwickeln, meist entsteht es jedoch allmählich über einen längeren Zeitraum. Je nach Qualität des Druckschadens kommt es zu entsprechenden motorischen und sensiblen Ausfallserscheinungen wie das typische Einschlafen, pelziges Gefühl, die Muskelverminderung und als Folge davon zu Kraftminderungen. Solcherlei Nervenschäden können leichtgradig und reversibel sein. In diesen Fällen führt die Befreiung der Nerven von der Kompression zur sofortigen Erholung. Schwere Nervenkompressionssyndrome können zum teilweisen oder vollständigen Absterben der Nervenfasern führen. Diese Fasern können theoretisch auch wieder nachwachsen. Jedoch ist dieses Nachwachsen beim älteren Menschen minimal und dauert viele Monate. Deshalb gilt es einen definitiven Funktionsverlust zu vermeiden.

Diagnostik/ Behandlung

Besteht nun aufgrund der typischen Beschwerden des Patienten und der klinischen Untersuchung der Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom, wird der Patienten meist zum Nervenarzt überwiesen. Dieser versucht durch eine elektrophysiologische Untersuchung die Schädigung der Nerven im Karpalkanal nachzuweisen. In Abhängigkeit vom Ausprägungsgrad des Karpaltunnelsyndroms kommen therapeutisch unterschiedliche Maßnahmen zur Anwendung. Die konservativen Therapiemaßnahmen stehen zunächst im Vordergrund. Die nächtliche Ruhigstellung auf einer Lagerungsschiene (Abb. 2) verhindert eine Beugung des Handgelenkes und somit die zusätzliche Druckerhöhung im Karpalkanal. Zusätzlich werden häufig abschwellende Medikamente (NSRA) eingesetzt. Eine Kortisoninjektion in den Karpalkanal kann die reaktive Verdickung des Sehnengleitgewebes zum Rückgang bringen. In ausgeprägten Fällen wird die Operation empfohlen. Sie besteht in der vollständigen Spaltung des Karpaldaches, des Retinaculum flexorum. Dies wird meist offen, d.h. über einen ca. 2 cm langen Schnitt in der Hohlhand durchgeführt werden. Hierdurch kann der Nerv direkt eingesehen und mikrochirugisch von Kompressionen befreit werden. Auch können über diesen offenen Zugang die eventuell verdickten Sehnenscheiden ausgedünnt werden. Alternativ ist dieser Eingriff auch endoskopisch, d.h. durch ein oder zwei kleine Schnitte, möglich. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sich bei der Untersuchung des Patienten keine Verdickung des Sehnengleitgewebes findet und dass sich noch keine Verschmächtigung der Daumenballenmuskulatur entwickelt hat. Der Eingriff wird in der Regel ambulant durchgeführt, soweit keine Begleiterkrankungen vorliegen, und unter örtlicher Betäubung. Nur gelegentlich besteht die Indikation zur Vollnarkose. Im Anschluss an die Operation wird für einige Tage eine Handgelenksschiene angelegt (Abb. 2). Schon bald werden die Patienten aufgefordert, die Finger voll zu bewegen, um ein Verkleben der Sehnen zu verhindern. Die weitere Behandlung kann durch den überweisenden Facharzt oder Hausarzt übernommen werden, welcher bei unauffälligem Heilungsverlauf nach 10 Tagen die Schiene und die Hautfäden entfernt.

Prognose

Die Operation des Karpaltunnelsyndroms ist zumeist komplikationsloser Eingriff. Sofort bleibt das störende nächtliche Erwachen aus. Häufig berichten die Patienten bereits am Tage nach der Operation über einen Rückgang des Taubheitsgefühls. Die Kraftzunahme ist allenfalls nach mehreren Monaten zu erwarten. Diese guten prognostischen Aussichten sind jedoch von der schwere und Dauer des Kompressionssyndroms und folglich vom Grad des Nervenschadens abhängig. Ob nach der Druckentlastung eine Regeneration der Nervenfasern erfolgt, lässt sich nach dem heutigen Kenntnisstand der Medizin nicht voraussehen oder beeinflussen und liegt somit nicht in der Hand des Chirurgen.