Definition

Der Fachausdruck „Rhizarthrose“ stammt aus den griechischen Wörtern „rhiza“ (Wurzel) und „arthrosis“ (degenerative Gelenkerkrankung = Alterung und Abnutzung des Gelenkes). Die Rhizarthrose zeichnet sich für den Patienten durch zunehmende Schmerzen im Bereich des Daumensattelgelenks aus, die insbesondere unter Belastung auftreten. Dieses Gelenk ist bei zahlreichen Bewegungsabläufen beteiligt und findet sich zwischen dem Großen Vieleckbein und dem 1. Mittelhandknochen. Bei der Rhizarthrose handelt es sich um die häufigste Arthrose an der Hand. Die Gründe für die Entstehung dieser Erkrankung sind nicht endgültig geklärt. Zu beobachten ist eine familiäre Häufung sowie Bevorzugung des weiblichen Geschlechts, was auf eine genetische Veranlagung schließen lässt und allgemein als Hauptursache gilt. Da es sich um eine degenerative Erkrankung handelt, liegt der Altersgipfel ab dem 40. Lebensjahr aufwärts. Trotz dieser Dispositionen können auch junge Männer erkranken. Weiterhin scheint insbesondere bei jüngeren weiblichen Patienten eine ausgeprägte Lockerung dieses Gelenkes vorzuliegen. Die lockeren Bänder des Gelenkes verursachen ein vermehrtes Reiben. Besteht diese Instabilität über ein gewisses Alter hinaus und kommen schwere Belastungen hinzu, so ist dies ein Zustand der schon in jüngeren Jahren zur Arthrose führen kann. Die Rhizarthrose kann auch, wie jede andere Arthrose, als Folge eines Traumas (z. B. Knochenbruchs) im Bereich des Sattelgelenks auftreten. Dies ist als Ursache jedoch selten.

Symptomatik

Besonders wichtig ist das Daumensattelgelenk beim Abspreizen des Daumens und beim Gegenüberstellen des Daumens zur Hohlhand, um eine Greiffunktion durchzuführen. Beim festen Grobgriff des Daumens gegen den Zeigefinger entstehen aufgrund der Hebelwirkungen im Sattelgelenk 10-15 Mal höhere Kräfte als im Bereich der Daumenkuppe selbst. Daher treten bei der Rhizarthrose Schmerzen insbesondere bei Belastung auf. Diese Belastungen sind z. B. das Öffnen eines Schraubverschlusses (Einmachglas, Flasche, Tankdeckel), kräftiges Zupacken mit der ganzen Hand, um Gegenstände anzuheben, oder Gegenstände zu stabilisieren, wie z. B. beim Tennisspielen. Aber auch beim festen Spitzgriff, also beim festen Drücken der Daumenkuppe gegen die Zeigefingerkuppe (z. B. beim Schlüsseldrehen oder Schreiben) entstehen Schmerzen. Durch die entstehenden Schmerzen fallen die Gegenstände aus der als kraftlos empfundenen Hand. Durch den verminderten Einsatz der betroffenen Hand kommt es im Verlauf dann zu einem Rückgang der Daumenmuskulatur. Im Gelenk selbst entsteht ein Reizzustand, der neben den Schmerzen auch einen Gelenkerguss und wie bei allen Arthrosen eine überschießende Knochenneubildung rund um das Gelenk hervorruft. Sinn dieses Knochenwachstums ist wohl der Versuch des Körpers, dieses Gelenk zu stabilisieren, um damit den Reizzustand zu beenden. Diese Reaktionen bewirken die Auftreibung und Verformung im Bereich des Sattelgelenks, die auch äußerlich zu beobachten sind. Das Gelenk erscheint verdickt und unförmig. Es kommt im weiteren Verlauf zu einer Fehlstellung des 1. Mittelhandknochens, der über dem Sattelgelenkgelenk in Richtung Daumen liegt. Dieser Knochen wird zunehmend zum 2. Mittelhandknochen „hingezogen“. Der Daumen selbst gerät aber in eine Überstreckstellung. Dadurch entsteht das Bild der verschmälerten Mittelhand mit schmächtigem Daumenballen, einhergehend mit einem z-förmig abgespreizten Daumen. Das Endstadium ist ein steifes Sattelgelenk mit weitgehendem Verlust der Funktion.

Konservative Behandlung

Typische klinische Symptome sind Schmerzen und Kraftverlust, aber auch Schwellung und Überwärmung können im Bereich des Daumensattelgelenkes vorhanden sein. Bei der Bewegungsprüfung kommt es zu einem typischen mörserartigen Reiben im Sattelgelenk. Zur apparativen Diagnostik ist meist eine konventionelle Röntgenaufnahme des Daumensattelgelenkes ausreichend.
Konservativ, d.h. nicht operativ, können die Beschwerden der Rhizarthrose insbesondere im Anfangsstadium mit Schmerzmitteln bekämpft werden. In Frage kommen auch Injektionen von Cortisonpräparaten in das Daumensattelgelenk, was jedoch in den meisten Fällen zu einer nur kurzfristigen Linderung der Beschwerden führt. Weiterhin kann besonders bei entzündlichen Veränderungen die Radiosynoviorthese eine sinnvolle Maßnahme sein. Synoviorthese ist hergeleitet von den griechischen Wörtern ,,Synovia" (Schleimhaut) und ,,Orthese« (Wiederherstellung). Durch die lnjektion eines geeigneten Radionuklids in das Gelenk wird die entzündliche Gelenkinnenhaut (Synovialis) bestrahlt und die oberflächliche Schichten zerstört, ohne das Knorpelgewebe zu schädigen. Diese Behandlung wird durch den Radiologen durchgeführt.

Operative Behandlung

Das Ziel der Operation ist es, die Schmerzhaftigkeit des Gelenks auszuschalten, und hierbei die Funktion zu erhalten. Dies lässt sich durch Entfernen der aufeinander reibenden und dadurch schmerzhaften Gelenkflächen erreichen.
Der Operationszeitpunkt richtet sich nach den Beschwerden des Patienten und ist in der Regel zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung möglich. Das Ausmaß der Zerstörung des Gelenks ist nicht der führende Faktor für die Entscheidung zur Operation, da schmerzhafte Rhizarthrosen ohne ausgeprägte radiologische Veränderungen solchen mit deutlichen Arthrosezeichen jedoch ohne Beschwerden gegenüberstehen. Erstere wird man zügig operieren, letztere nicht unbedingt. Bei deutlichen Instabilitäten ist auch ohne Arthrosezeichen die Stabilisierung zu empfehlen. Prothesen am Daumensattelgelenk haben sich auf Grund der hohen Beanspruchung in diesem Gelenk langfristig noch nicht nachweisbar bewährt. Die Standardtherapie und  bevorzugte Operation ist somit die Totalentfernung der Gelenkflächen. Erreicht wird dies, indem ein kleiner Handwurzelknochen, der eine Fläche des Gelenks bildet, entfernt wird. Er heißt „großes Vieleckbein oder „Trapezium“ und liegt unterhalb des 1. Mittelhandknochens in Richtung Unterarm. Dabei wird das Gesamtgefüge nicht beeinträchtigt, da die Handwurzel und auch der 1.Mittelhandknochen selbst durch viele Bänder stabilisiert werden. Diese Bandaufhängungen können operativ unterstützt werden, indem eine „neue“ und stabile Bandaufhängung mittels Sehnengewebe konstruiert wird. Hierbei wird mit einem körpereigenen Sehnenstreifen, der für den Patienten problemlos entbehrlich ist, der 1. Mittelhandknochen am 2. Mittelhandknochen so fixiert, dass der Knochen in der bestmöglichen Position stehen bleibt. Zusätzlich zu dieser Sehnenaufhängung kann auch die Gelenkkapsel mit einer ortständigen Sehne vernäht werden. Der durch die Entfernung des Knochens entstandene Defekt wird mit diesen Sehnenanteilen unterfüttert. Zusätzlich füllt sich dieser mit Narbengewebe auf, das gemeinsam mit der Sehne eine Pufferfunktion übernimmt. Bei der reinen Stabilisierung des Gelenkes vor dem Entstehen einer Arthrose wird die Rekonstruktion der Bänder zwischen dem 1. und 2. Mittelhandknochen grundsätzlich durch die gleichen Methoden wie oben beschrieben bewerkstelligt. Als eine echte Alternative zur Entfernung der Gelenkflächen steht die Denervation des Gelenkes zur Verfügung. Bei dieser Operation werden isoliert die schmerzleitenden Nervenfasern, welche aus dem Gelenk kommen, durchtrennt. Der Patient verspürt somit weniger oder gar keine Schmerzen mehr. In 75 –80% der Patienten wird von einer signifikanten oder vollständigen Beschwerdereduktion berichtet. Außerdem bleibt bei dieser Methode die Möglichkeit der Entfernung des Trapeziums, zu einem späteren Zeitpunkt, unbeeinflusst.

Ablauf

Die Diagnosestellung, Besprechung und Planung der Operation erfolgt ambulant in der Sprechstunde. Der Eingriff erfolgt am Tag der stationären Aufnahme, da auf diese Weise der unmittelbar postoperative Verlauf beobachtet und eine entsprechende Schmerztherapie eingeleitet werden kann. Der stationäre Aufenthalt beträgt 2-3 Tage. Direkt nach der Operation wird ein kurzer Unterarmgips mit Einschluss des Daumens, aber unter Freilassung aller Finger angelegt. Daran anschließend verordnen wir für weitere 4 Wochen eine kurze Kunststoffhülse, die den Daumen stabilisiert. Die meisten Alltagstätigkeiten können mit dieser Hülse verrichtet werden. 10 Tage nach der Operation können die Fäden entfernt werden. Operationen am Daumensattelgelenk bei Rhizarthrose werden normalerweise in Plexusanästhesie (örtlich betäubt) durchgeführt. Der Eingriff erfolgt nahezu ausnahmslos unter stationären Bedingungen, um mögliche Schwellungen, Blutungen oder Schmerzen besser erkennen und beherrschen zu können.

Komplikationen

Jede Operation kann Komplikationen verursachen. Bitte lesen Sie hier den Abschnitt zu den grundsätzlichen Operationskomplikationen nach. Die speziellen Komplikationen für diese Operation sind zum einen die Verletzung des sensiblen Hautnervenastes des N. radialis anzuführen. Dieser Nervenast läuft durch das Operationsgebiet und kann, falls er gedehnt wird, Gefühlsstörungen auf der dem Daumennagel zugewandten Seite des Daumenstrahls hervorrufen. Sollte der Nerv nachhaltig geschädigt worden sein, so tritt Taubheit in diesem Gebiet auf, welche jedoch nicht den Tastbereich des Daumens betrifft. Der eventuell anhaltende Kraftverlust im Vergleich zur gesunden Hand wurde bereits angesprochen. Handelt es sich um eine Arthrose bei Patienten, welche mit der Hand schwere Arbeit verrichten, so kann die Versteifung des Gelenks erwogen werden. Da hierbei eine erhebliche Einschränkung der Beweglichkeit eintritt und zusätzlich über zahlreiche Fehlschläge der Knochenheilung berichtet wird, wenden wir dieses Verfahren äußerst selten an.

Prognose

Untersuchungen haben gezeigt, dass durch die Entfernung der Gelenkflächen folgende positive Effekte zu erwarten sind:

  • Schmerzfreiheit (80%)
  • Verbesserung der Kraft und Stabilität (60%)
  • Gleichbleibende oder verbesserte Beweglichkeit wie vor der Operation

In hartnäckigen seltenen Fällen bilden sich die Schmerzen nur langsam zurück. Dies kann dann bis zu 6-8 Monate andauern, da sich Muskelverspannungen und entzündliche Begleitreaktionen nur langsam zurückbilden und auch ein „Schmerzgedächtnis“ besteht. Zumeist verbessert sich die Kraft, da der Rückgang der Beschwerden den vermehrten Einsatz der Hand wieder erlaubt, während die Beweglichkeit unverändert bleibt. Jedoch wird häufig die normale Kraftentwicklung der gesunden Hand nicht wieder erreicht. Dies kann zu Problemen beim Sport oder bei schwerer Arbeit führen. Untersuchungen ergaben bei 70 % der Patienten gute bis sehr gute Operationsergebnisse.