Achsfehlstellungen der Beine können auf verschiedene Art und Weise Probleme verursachen. So kommt es bei O-Bein-Fehlstellung zu einer erhöhten Belastung der Kniegelenksinnenseite, analog führt eine X-Bein-Fehlstellung zu einer Mehrbelastung der Kniegelenksaußenseite. Je größer die Fehlstellung, umso höher ist auch die Belastung.

Meniskus- und Knorpelschäden bis hin zur ausgeprägten Kniegelenksarthrose können die Folge sein. Eine Achskorrektur kann in vielen Fällen die Beschwerden verbessern, indem die Belastungsachse des Knies geändert wird - und der angegriffene Teil des Kniegelenks entlastet wird.

Dies wird frühzeitig empfohlen, um der Entwicklung einer Arthrose vorzubeugen. Andererseits ist es in vielen Fällen auch bei bereits fortgeschrittenen Arthrosen möglich, eine endoprothetische Versorgung ("Kunstgelenk") zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. In vielen Fällen ist es die einzige Alternative zur Prothese.

Neben der eigentlichen Achskorrektur erfolgt im Rahmen der operativen Versorgung immer auch eine Kniegelenksspiegelung. Bei hochgradigen Knorpelschäden wird dann ergänzend auch eine Reparatur durchgeführt (Mikrofrakturierung / Abrasionschondroplastik).

Achskorrektur O-Bein

Die weitaus häufigere Fehlstellung ist die O-Bein-Fehlstellung. Dabei kommt es zu einer Mehrbelastung der Kniegelenksinnenseite. Im Rahmen der Achskorrektur wird das O-Bein begradigt bzw. meist in eine leichte X-Bein-Fehlstellung überführt.

Es gibt verschiedene OP-Techniken für diese Achskorrektur. In den letzten Jahren hat sich die sog. "hohe tibiale Osteotomie" (HTO) als Standardverfahren etabliert. Die Korrektur erfolgt dabei am Schienbein, knapp unterhalb des Kniegelenks. Der Knochen wird von der Innenseite her angesägt, und anschließend langsam aufgespreizt. Um eine exakte Korrektur der jeweiligen Fehlstellung zu erreichen kommt ein Navigationsgerät zum Einsatz. Ist das gewünschte Korrekturausmaß erreicht, erfolgt die Stabilisierung mit einem Titanimplantat. Der Spalt im Knochen muss nicht aufgefüllt werden, sondern heilt ähnlich einem Knochenbruch über mehrere Wochen komplett zu.

Sollte sich in der ebenfalls durchgeführten Kniegelenksspiegelung bereits  hochgradige Knorpelschäden zeigen, wird in den betroffenen Arealen zusätzlich eine Knorpelreparatur durchgeführt (z. B. Mikrofrakturierung/ Abrasionschondroplastik).

Ein stationärer Krankenhausaufenthalt ist für 5-6 Tage erforderlich. Postoperativ darf das Knie frei bewegt werden, eine Teilbelastung (10-20 kg) ist für 4-8 Wochen notwendig.

In den meisten Fällen erfolgt nach ca. einem Jahr die Entfernung der Metallplatte. Hier ist nach der OP eine zügige Vollbelastung möglich.


Schwere innenseitige Arthrose des Kniegelenks mit aufgehobenem Gelenkspalt
Schwere innenseitige Arthrose des Kniegelenks mit aufgehobenem Gelenkspalt
Röntgenkontrolle nach der OP
Röntgenkontrolle nach der OP
Röntgenkontrolle nach einem Jahr
Röntgenkontrolle nach einem Jahr

Achskorrektur X-Bein

Achskorrektur X-Bein

Seltener als die O-Bein-Fehlstellung ist die X-Bein-Fehlstellung. Dabei kommt es zu einer Mehrbelastung der Kniegelenksaußenseite. Im Rahmen der Achskorrektur wird das X-Bein begradigt. Dadurch wird die Hauptbelastung von der Knieaußenseite genommen und in die Mitte sowie die innenseitigen Kniegelenksabschnitte verlegt.

Es gibt verschiedene OP-Techniken für diese Achskorrektur, in den letzten Jahren hat sich die sog. "distale femorale Osteotomie" (DFO) als Standardverfahren etabliert. Die Korrektur erfolgt dabei am Oberschenkel, knapp oberhalb des Kniegelenks. An der Innenseite des Knochens wird ein Keil herausgesägt. Die zur Korrektur notwendige Keilhöhe wird bereits vor der Operation im Rahmen einer Computerplanung bestimmt. Anschließend wird der Knochen zugeklappt und mit einer Titanplatte fixiert. Über mehrere Wochen heilt der Knochen - ähnlich einem Knochenbruch - wieder aus.

Sägen und Entfernen eines Knochenkeils
Sägen und Entfernen eines Knochenkeils
Schließen der Osteotomie und Fixation mit Platte
Schließen der Osteotomie und Fixation mit Platte
Postoperative Kontrolle
Postoperative Kontrolle
umstellung femoral postop 2
Deutliche X-Bein-Stellung
Deutliche X-Bein-Stellung
Korrektur von deutlicher X-Bein-Stellung auf eine gerade Achse
Korrektur von deutlicher X-Bein-Stellung auf eine gerade Achse

Sollte sich in der ebenfalls durchgeführten Kniegelenksspiegelung bereits hochgradige Knorpelschäden zeigen, wird in den betroffenen Arealen zusätzlich eine Knorpelreparatur durchgeführt (z. B. Mikrofrakturierung/ Abrasionschondroplastik).

Ein stationärer Krankenhausaufenthalt ist für 5-6 Tage erforderlich. Postoperativ darf das Knie frei bewegt werden, eine Entlastung ist für 8 Wochen notwendig.

In den meisten Fällen erfolgt nach ca. einem Jahr die Entfernung der Metallplatte. Hier ist nach der OP eine zügige Vollbelastung möglich. In Fällen in denen die Platte nicht stört ist eine Entfernung nicht notwendig.

Navigation

Um ein gutes OP-Ergebnis zu erreichen, muss eine Beinachsenkorrektur sorgfältig geplant und präzise durchgeführt werden. Es erfolgt daher bereits vor der Operation eine Computerplanung der Korrektur, hier werden die Fehlstellung und die erforderliche Korrektur genau bestimmt. Im Rahmen der Operation kommt dann ein Navigationsgerät zum Einsatz. Hierbei wird über eine 3-D-Infrarottechnik eine wesentlich präzisere Korrektur ermöglicht.

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