HKB-Ruptur

Verletzungen am hinteren Kreuzband (HKB-Ruptur) sind seltener als am vorderen Kreuzband und werden leider häufig übersehen. Frische Rupturen sind in der Kernspin-Untersuchung gut zu sehen. Ältere Verletzungen können mit einer gehaltenen Röntgenaufnahmen sicher diagnostiziert werden. Die Verletzungen ereignen sich oftmals bei Verkehrsunfällen im Rahmen eines Knieanpralltraumas („dashboard injury“) sowie bei Motorradunfällen. Knapp die Hälfte der HKB-Verletzungen sind jedoch Folge von Sportverletzungen. Häufig liegen Kombinationsverletzungen vor, die meist die äußere Kniegelenkskapsel mit betreffen. In diesen Fällen ist eine kombinierte Rekonstruktion von hinterem Kreuzband und den peripheren Strukturen notwendig. Meist kommt eine Stabilisierung in modifizierter Larson-Technik zum Einsatz.

HKB-Ruptur
Funktionsaufnahme zur Beurteilung des hinteren Kreuzbandes mit Krafteinleitung von vorne und in diesem Beispiel deutlicher Verschiebung des Unterschenkels nach hinten (hintere Schulade)
MRT hinteres Kreuzband
MRT eines frisch verletzten hinteren Kreuzbandes

OP-Technik

Das hintere Kreuzband wird im Rahmen einer arthroskopischen Operation mit körpereigenen Sehnen ersetzt. Meistens werden die Kniebeugesehnen (Semitendinosus-, und Gracilissehne), welche über einen kleinen Schnitt an der Schienbeinvorderkante entnommen werden, verwendet. Zur Rekonstruktion werden im Ansatzbereich des Bandes Bohrkanäle angelegt, in welche die Sehnen eingezogen und mit bioresorbierbaren Schrauben fixiert werden. Begleitverletzungen (Menisken, Knorpel, Außen- und/oder Innenband) können zeitgleich versorgt werden. Die OP-Zeit beträgt etwa 45 Minuten.

HKB-Transplantat
HKB-Transplantat in den Bohrkanal eingezogen (intraoperativ)
hkp-optechnik

Bild links:    Entnahme der Sehnen über kleinen Schnitt am Unterschenkel
Bild Mitte:   Anlegen der Bohrkanäle und Fadenmanagement
Bild rechts: Einzug des Fertig präparierten Transplantates

Nachbehandlung

Die Rehabilitation nach einer OP des hinteren Kreuzbandes ist aufwändiger als nach einer OP des vorderen Kreuzbandes. Die ersten 8 Wochen wird die hintere Schublade mit einer Orthese vermieden. Mit der Orthese kann nach 2-3 Wochen ohne Gehstützen belastet werden. Krankengymnastische Übungen sollten in den ersten 6 Wochen nur dosiert erfolgen. Die Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Regel 4 - 6 Wochen.

Ergebnisse

Funktionsaufnahmen vor und nach operativer Versorgung mittels hinterer Kreuzbandplastik. Die deutliche Verschieblichkeit des Unterschenkels nach hinten (linkes Bild) ist postoperativ komplett aufgehoben (rechtes Bild).

Funktionsaufnahme vor operativer Versorgung
Funktionsaufnahme nach operativer Versorgung

Abschließendes Bild nach Rekonstruktion des hinteren Kreuzbandes (von oben rechts ausgehend). Im Bild links das intakte vordere Kreuzband.