Die Ursachen für Knorpelverletzungen sind vielfältig. Sie können isoliert an einer Stelle auftreten, aber auch großflächig das ganze Kniegelenk betreffen. Bei Patellaluxationen oder Kreuzbandrissen kommt es häufig zu akuten Knorpelschäden. Oftmals sind diese auch Begleitverletzungen bei Frakturen (Knochenbrüchen) oder Folge von Meniskusverletzungen und Meniskusverlust. Typischerweise kommt es auch bei Kniegelenksinstabilität (z. B. bei einer nicht therapierten Kreuzbandverletzung) zu Knorpelschäden.

Symptome

Knorpelschäden äußern sich meist durch Schmerzen und Ergussbildung des Kniegelenks. Bei freien Knorpelstücken (Flakes) kann es auch zu Blockierungen kommen. Je nach zugrundeliegender Ursache kann die Symptomatik aber auch im Hintergrund stehen.

Therapie

Abhängig von der Größe und der Art des Knorpelschadens werden in unserer Klinik alle modernen Verfahren der Knorpelreparation und des Knorpelersatzes durchgeführt:

Knorpelzelltransplantation - Autologe Chondrozytentransplantation (ACT)

Dieses Verfahren kommt vorwiegend bei größeren Knorpelschäden (ab ca. 2 – 2,5 cm2) zum Einsatz. Dabei werden in einem ersten Eingriff körpereigenen Knorpelzellen aus dem Kniegelenk entnommen und nach Anzüchtung und Vermehrung dieser Zellen im Labor nach ca. drei Wochen wieder eingesetzt. Durch dieses Verfahren wird eine hohe Knorpelqualität erreicht. Die Applikation erfolgt je nach zugrunde liegendem Knorpelschaden entweder mit einer von Knorpelzellen besetzten, vliesähnlichen Matrix, die in den Defekt eingenäht wird, oder in sehr moderner und schonender Art mit einer Knorpelzellsuspension, welche arthroskopisch in den Defekt eingebracht wird und dort aushärtet (s. Bsp.).

Je nach Lokalisation des Knorpeldefektes im Kniegelenk ist die Nachbehandlung variabel. Meist ist eine Teilbelastung von 2-8 Wochen notwendig.

Knorpelschaden am Oberschenkel
Knorpelschaden am Oberschenkel
Komplette Defektfüllung mittels arthroskopisch eingebrachter Knorpelzellen in Flüssigmatrix.
Komplette Defektfüllung mittels arthroskopisch eingebrachter Knorpelzellen in Flüssigmatrix
Vorbereitung der gezüchteten Zellen
Vorbereitung der gezüchteten Zellen

Einbringung der Knorpelzellsuspension

Begutachtung des Kniegelenkes 1 Jahr nach Einbringung der Knorpelzellsuspension

Transplantation von Knorpel-Knochen-Zylindern (osteochondrale Transplantation, OCT)

Dieses Verfahren kommt bei umschriebenen Knorpelschäden (bis ca. 1,5 cm²) zum Einsatz, insbesondere dann, wenn auch der unter dem Knorpel liegende Knochen eine Schädigung aufweist (z. B. bei einer Osteochondrosis dissecans). Dabei wird das Defektareal mit speziellen Instrumenten kreisförmig ausgestanzt. Aus einem weniger belasteten Areal des Kniegelenks wird dann in analoger Weise ein Zylinder mit intakter Knorpelschicht und darunter liegendem Knochen ausgestanzt und an den Ort der Schädigung transplantiert.

Es handelt sich um eine sehr anspruchsvolle Technik, die aber arthroskopisch durchgeführt werden kann. Grundsätzlich ist nur ein Eingriff notwendig.

Postoperativ ist eine Teilbelastung für vier Wochen notwendig.

Defekt des Gelenkknorpels
Defekt des Gelenkknorpels
Eingebrachter Zylinder
Eingebrachter Zylinder

Bestehender Knorpelschaden im Kniegelenk und ausstanzen des Defektareals

Begutachtung des Kniegelenks nach erfolgreicher OCT

Mikrofrakturierung und Abrasionschondroplastik

Dies sind die sog. knochenmarkstimulierenden Verfahren. Dabei wird im Bereich des Knorpelschadens mit speziellen Instrumenten das darunterliegende Knochenmark eröffnet. Dadurch gelangen Zellen in das Defektareal, die eine Art Ersatzknorpel produzieren können. Das Verfahren kommt entweder bei kleinen Defekten zum Einsatz, es ist jedoch auch bei größeren Schäden möglich, und insbesondere bei bereits deutlich arthrotischen Veränderungen die Therapie der Wahl.

Je nach Lokalisation des Knorpeldefektes im Kniegelenk ist die Nachbehandlung variabel. Meist ist eine Teilbelastung von 2-8 Wochen notwendig.

Bsp: Mikrofrakturierung (einmal kleines Areal mit Blutungen, einmal großflächig)

Mikrofrakturierung
Mikrofrakturierung
direkt nach der Mikrofrakturierung
direkt nach der Mikrofrakturierung
nach Mikrofrakturierung Kontrolle nach einem Jahr
nach Mikrofrakturierung Kontrolle nach einem Jahr

Refixation von Knorpelfragmenten

Bei akuten Verletzungen (z. B. einer Patellaluxation) kommt es in manchen Fällen zur Aussprengung ganzer Knorpelstücke. In manchen Fällen ist hier eine Refixation des Fragmentes möglich, insbesondere bei jungen Patienten mit großen Defekten, und wenn es sich um ein Knorpel-Knochen-Stück handelt. Der Vorteil ist hierbei, dass der körpereigene Knorpel erhalten werden kann. Eine zeitnahe Operation ist hier unabdingbar.

Bsp.: Knorpelfragmente

Bild eines Knorpel-Knochen-Flakes vor arthroskopischer Refixation
Bild eines Knorpel-Knochen-Flakes nach arthroskopischer Refixation

Bild eines Knorpel-Knochen-Flakes vor und nach arthroskopischer Refixation

Begleitende Beinachsenfehlstellung und Bandinstabilitäten

Bei vielen Patienten mit Knorpelschäden besteht begleitend und oft auch (Teil-)Ursache der Knorpelschäden eine Fehlstellung des Beines, z. B. als O-Bein oder X-Bein. So führt eine starke O-Bein-Stellung zu einer deutlich vermehrten Belastung der Kniegelenksinnenseite, eine X-Bein-Stellung entsprechend zu einer Mehrbelastung der Kniegelenksaußenseite. Wenn diese Fehlstellungen ein gewisses Maß überschreiten sollte auch eine Korrektur der Beinachse erfolgen, um ein gutes Ergebnis der Knorpelreparation erreichen zu können (Link: Beinachse)

Ebenso ist ein stabiles Kniegelenk mit intakten Bändern Voraussetzung für das Funktionieren der Knorpelreparation. Sollte sich eine Insuffizienz z. B. der Kreuzbänder zeigen ist eine Stabilisierung mittels Bandplastik meist zu empfehlen.

In der Regel können alle diese Kombinationseingriffe in einer Operation durchgeführt werden.

Osteochondrale Transplantation