Operative Versorgung einer chronischen Außenbandinstabilität des oberen Sprunggelenks - Rekonstruktion des Außenbandapparats mittels Kniebeugesehnentransplantat in Markgröninger Technik

Das obere Sprunggelenk wird durch einen straffen Kapsel-Band-Apparat stabilisiert und gestützt. Auf der I nnenseite liegt ein breit gefächertes Band, das sog. Deltaband. Am Außenknöchel wird das Gelenk durch drei einzelne Bänder (ATFL, CFL und PTFL) stabilisiert.

Das Umknicken nach außen (Supinationstrauma) des oberen Sprunggelenks ist eine der häufigsten Sportverletzungen. D abei wird am Außenknöchel in den meisten Fällen das anteriore talofibulare Ligament (ATFL) verletzt, das kalkaneofibulare Ligament (CFL) zusätzlich in 60% der Fälle. Zahlreiche Studien zeigen, dass die operative Therapie der frischen Außenbandruptur am Sprunggelenk im Verlauf keine besseren Ergebnisse im Vergleich zu einem konservativen (nicht-operativen) Vorgehen mit initialer Ruhigstellung bringt. I m weiteren Verlauf kann es jedoch bei über 8% der Patienten zu einer erneuten Verletzung (Supinationstrauma) und in bis zu 20% der Fälle zu einer chronischen Instabilität des betroffenen Sprunggelenks kommen. Die chronische Instabilität äußert sich in wiederkehrenden Umknickverletzungen mit sowohl subjektiver als auch objektiver klinischer Instabilität und im weiteren Verlauf zu einem erhöhten Arthrose-Risiko, d.h. Einem verstärkten Verschleiß des Gelenkknorpels. Eine Wiederherstellung der Gelenkstabilität kann diese Spätfolgen verhindern und eine weitestgehend normale Funktion des Gelenkes gewährleisten.

Instabiles Sprunggelenk, dass sich unter Belastung stark aufklappen lässt.
Instabiles Sprunggelenk, dass sich unter Belastung stark aufklappen lässt.
Stabiles Sprunggelenk nach OP
Stabiles Sprunggelenk nach OP

Wann ist die Anwendung dieses Verfahren sinnvoll?

Patienten, die eine symptomatische posttraumatische chronische Außenbandinstabilität am Sprunggelenk mit wiederkehrenden Umknickverletzungen aufzeigen, können von dieser OP-Technik profitieren. Selbst bei unzureichender Stabilität nach Voroperationen (z.B. Bandnähten) kann diese OP-Technik helfen, eine gute Funktion des Gelenkes wiederherzustellen. Vor der Operation werden zur genauen Beurteilung der Instabilität Funktions- Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen beider Sprunggelenke gemacht. Auch kann in einer genauen klinischen Untersuchung die Instabilität weiter beurteilt werden.

Eine Kernspintomographie zur Beurteilung des Gelenkknorpels kann ebenfalls hilfreich sein, da in einem hohen Prozentsatz bereits erste Knorpelschäden bestehen, welche im Falle einer Operation mitversorgt werden können.

OP-Technik Außenbandrekontruktion in Markgröninger-Technik.

Die Operationstechnik wurde mit dem Ziel entwickelt, die bisherigen Rekonstruktions- und Fixationstechniken zu vereinfachen und ein Operationsverfahren zur Rekonstruktion des ATFL und CFL zu entwickeln, welches eine zuverlässige Stabilisierung des Außenbandapparats am OSG auch in Revisionsfällen erlaubt. Die Stabilisierung sollte mit einem freien Sehnentransplantat der Kniebeuger erfolgen.

Die Operation beginnt mit einer Spiegelung des verletzten Gelenkes. Hierbei können Begleitverletzungen im Gelenk (Knorpelschäden, Vernarbungen) erkannt und mitbehandelt werden. Über einen kleinen Schnitt am Schienbein wird eine Beugesehne des Kniegelenkes gewonnen (Grazilissehne), welche dann über einen minimalinvasiven Zugang am Außenknöchel über mehrere Bohrkanäle als neues Außenband (ATFL und CFL) implantiert wird. Zur Fixierung wird eine bioresorbierbare (selbstauflösende) Schraube verwendet.

Nachbehandlung

Nach der Operation sollte eine Teilbelastung 10–14 Tage erfolgen. Das Tragen einer Orthese für 6 Wochen ermöglicht eine frühfunktionelle krankengymnastische Übungsbehandlung.

 

Studien-Ergebnisse:

Im Rahmen einer eigenen Studie wurden an 20 Patienten mit chronischer Außenbandinstabilität eine Rekonstruktion des ATFL und CFL mit einem freien Kniebeugessehnentransplantat vorgenommen. Alle 20 Patienten wurden nach einer mittleren Nachuntersuchungszeit von 1,8 Jahren (15–36 Monate) noch einmal untersucht. Die klinische Beurteilung erfolgte anhand einer speziellen Skala zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit des F ußes (AOFAS-Score). Zur objektiven Stabilitätsprüfung wurden gehaltene Röntgenaufnahmen angefertigt. Nach der Operation berichteten 19 von 20 Patienten über eine gute subjektive Stabilität ohne weitere Supinationstraumata seit dem Eingriff. Im mittleren postoperativen AOFAS- core wurden 92 (72–100 Punkte) von 100 möglichen Punkten erreicht. I n den gehaltenen Röntgenaufnahmen zeigte sich eine signifikante Verringerung der Aufklappbarkeit nach außen sowie des Talusvorschubs, des verstärkten Vorschubs des Sprungbeins.

8. Internationaler Sportmediziner Kongress San Zeno/Italien