Der Begriff Kyphose (von altgriechisch kyphos = gebückt) hat im Gegensatz zur Skoliose zunächst keinen Krankheitswert. Eine Kyphose im Brustwirbelsäulenbereich ist physiologisch. Hiergegen abzugrenzen ist die Hyperkyphosierung, also eine pathologische Verstärkung des normalen Rundrückens. Kyphosen können aber auch in Abschnitten der Wirbelsäule auftreten, in denen normalerweise eine Hohlschwingung besteht. Hier ist dann die Kyphose durchaus als krankhaft zu bezeichnen. Verschiedenste Ursachen können zur Kyphose oder Hyperkyphose führen. Neben Tumoren, entzündlichen Veränderungen oder angeborenen Störungen werden gerade bei älteren Patienten Frakturen als Ursache für eine pathologische Kyphose beobachtet. Kongenitale Veränderungen, wie sie auch im Rahmen von skoliotischen Deformitäten gesehen werden, können bereits im Kindes- und Jugendalter eine operative Korrektur notwendig machen.

Spezielle Krankheitsbilder die mit einer lang gewachsenen und zum Teil sehr ausgeprägten kyphotischen Deformität einhergehen können sind der Morbus Scheuermann (juvenile Osteochondrose) und der Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans).

Morbus Scheuermann

Beim Morbus Scheuermann (juvenile Osteochondrose) finden sich im Jugendalter Aufbaustörungen im Bereich der Grund- und Deckplatten einzelner Wirbelkörper, und dies in den vorderen Abschnitten der Wirbelsäule betont, so dass hieraus mitunter eine Keilform der Wirbelkörper resultiert. In der Summe kann dadurch ein stark ausgeprägter Rundrücken entstehen. In den Anfangsstadien ist, ähnlich wie bei einer Skoliose, neben der Physiotherapie auch eine Korsettbehandlung indiziert, um durch entsprechende Übungen oder eben zurückbiegende Orthesen eine Entlastung der vorderen Wirbelsäule zu erzielen. Im Idealfall kommt es durch die entlastenden Maßnahmen zum Wiederaufbau der vorderen Wirbelkörperabschnitte und somit auch zu einer Reduzierung der Keilform und Kyphose.
In späteren Stadien, nach Abschluss des Wachstums, kann die Hyperkyphose aber relativ starr bestehen bleiben. Man spricht von einer fixierten Kyphose, welche aber bei geringeren Ausprägungsgraden häufig wenig oder keine Beschwerden macht. Bei Auftreten von Symptomen, wie muskuläre Verspannungen und hieraus resultierende örtliche Rückenschmerzen, oder starken Ausprägungsgraden von über 70° und hierdurch abschätzbarem ungünstigen Verlauf, ist eine operative Korrektur empfehlenswert.

Morbus Bechterew

Beim Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) handelt es sich um eine entzündlich rheumatoide Erkrankung, die mit einem Befall der Kreuzdarmbeinfugen und der Wirbelsäule einhergeht. Hierbei kommt es zu einem zunehmenden Funktionsverlust im Bereich der betroffenen Gelenke und Wirbelsäulenabschnitte, die in einem geringen Prozentsatz auch mit schweren Verformungen der Wirbelsäule im Sinne einer so genannten Totalkyphose einhergehen können. Neben Heilbäderbehandlungen, physiotherapeutischen Maßnahmen oder auch der medikamentösen Therapie (Alpharezeptorenblocker) ist gerade bei schwereren Kyphosen die operative Korrektur angezeigt. Diesbezüglich gibt es verschiedene Korrekturmöglichkeiten, die sich auch nach Lokalisation der Krümmung, Befallsmuster und Verknöcherungstyp der Erkrankung richtet. Um den Halte- und Bewegungsapparat zu entlasten, somit den Patienten Rückenschmerzen zu nehmen, aber auch um soziale (Blick-) Kontakte wieder zu ermöglichen, ist eine Aufrichtungsoperation indiziert. Der stabile Erfolg einer Operation ist nicht ausschließlich durch die Implantate zu gewährleisten. Entscheidend ist die Wiederherstellung einer vernünftigen Statik, um die Implantate zu entlasten. Die in der Regel reduzierte Knochenqualität sollte aber berücksichtigt werden, eine äußere Abstützung ist in der Regel für einen kürzeren Zeitraum noch notwendig.

Morbus Parkinson

Beim Morbus Parkinson handelt es sich um eine in erster Linie neurologische Erkrankung, die aber häufig mit Skoliosen, Kyphosen und vor allem einer schweren Lotabweichung der Wirbelsäule einhergeht. Eine aktive Wiederaufrichtung ist bei neurologischer Komponente häufig nicht mehr möglich. Es kommt zu mitunter grotesken Fehlstellungen. Verschiedene Begriffe wie Pisa-Syndrom, Kamptokormie oder droped-head-sign werden zur Beschreibung dieser Fehlstellungen benutzt. Liegt zusätzlich auch noch eine verminderte Knochenqualität, also Osteoporose vor, bleibt häufig nur die langfristige Versorgung zur Wiederaufrichtung und Stabilisierung der fortgeschrittenen Wirbelsäulendeformitäten.