Instabilität der Wirbelsäule

Eine Instabilität der Wirbelsäule liegt vor, wenn sich zwei oder mehr Wirbelkörper gegeneinander verschieben (Wirbelgleiten). Hierbei werden verschiedene Formen unterschieden - abhängig davon, ob sich der obere der beiden Wirbel gegenüber dem unteren nach vorne (Ventrolisthese oder Anterolisthese) oder nach hinten bewegt (Retrolisthese). Die Einteilung erfolgt nach Meyerding in 4 Schweregrade (I-IV), die vom Grad der Verschiebung abhängen.

  1. Beim angeborenen Wirbelgleiten (Spondylolisthesis vera), ist der Wirbelbogen beispielsweise nicht vollständig ausgebildet, so dass es zu einer Instabilität kommt.
  2. Hat das Wirbelgleiten degenerative Ursachen, lassen verschleißbedingte Veränderungen von Zwischenwirbelraum und/oder Wirbelgelenk den Wirbelkörper abgleiten (Pseudospondylolisthesis). Es kann aber auch zu seitlichem Gleiten bzw. Drehgleiten der Wirbel kommen bis hin zu einer kollabierende Wirbelsäule (Collapsing Spine).
  3. Auch eine verletzungsbedingte Fraktur des Wirbelbogens kann zum Ventralgleiten des Wirbelkörpers führen.
  4. In seltenen Fällen kann durch eine Knochenerkrankung mit verminderter Knochenfestigkeit des Wirbelbogens und anschließender Fraktur oder auch als Folge einer Wirbelsäulenoperation durch Veränderungen im operierten oder im anschließenden Segment der Wirbelkörper abgleiten.

Verletzungen/ Frakturen

Verletzungen der Wirbelsäule können durch unfallbedinge Trauma mit indirekter Gewalteinwirkung mit Stauchung und Verbiegung bzw. Rotation entstehen. Das Rückenmark ist dann in 15-20% der Fälle mitbeteiligt. Ursachen können Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle (Sturz aus großer Höhe) oder Sport- und Badeunfällen (Stauchungsverletzung der HWS beim Kopfsprung ins flache Wasser) sein. Verletzungen der Wirbelsäule können jedoch auch ohne adäquates Trauma entstehen. So kann es bei Osteoporose zu Einbrüchen der Wirbelkörper ohne konkrete Unfallursache kommen. Abhängig vom Schweregrad der Verletzung können folgende Operationen durchgeführt werden:

  1. Ballon-Kyphoplastie:
    Über kleine Schnitte am Rücken beidseits der Wirbelsäule in Höhe des frakturierten Wirbels werden Hohlnadeln in diesen eingebracht. Zuerst wird mittels eines Ballons, gefüllt mit Kontrastmittel, versucht, den Wirbel wieder aufzurichten, dann wird in den so geschaffenen Hohlraum Knochenzement eingebracht.

  2. Wiederaufrichtungs-OP:
    Bei instabilen Frakturen, Verletzungen mit Einengung des Rückenmarks oder Durchtrennung von Rückenmarkanteilen muss die Wirbelsäule stabilisiert bzw. wiederaufgerichtet werden. Auch wenn sich z.B. eine Querschnittsymptomatik dadurch nicht mehr oder nicht mehr vollständig zurückbildet, muss trotzdem eine stabile Situation geschaffen werden, um die weitere Versorgung des Patienten zu ermöglichen und zunehmende Schädigungen zu verhindern. Dies erfolgt je nach Verletzung mit Schrauben-Stab- und Wirbelkörperersatz -Systemen.

Tumorerkrankungen

Die häufigsten Tumorerkrankungen der Wirbelsäule sind Absiedlungen (Metastasen) von anderen Tumoren, zumeist an den knöchernen Strukturen. In sehr seltenen Fällen treten auch Tumoren des Rückenmarks oder der Rückenmarkshäute auf. Wenn die Entfernung des Tumors gleichzeitig eine ausgedehnte Entfernung von Knochenstrukturen erfordert, kann die Wirbelsäule in diesem Bereich instabil werden. Es ist dann eine stabilisierende Operation erforderlich, dabei werden je nach Ausdehnung Schrauben und Stäbe, Platten und auch künstliche Ersatzwirbelkörper eingebracht. Die stabilisierende Operation kann Querschnittlähmung verhindern. Je nach Gewebeart des Tumors kann nach der Operation eine zusätzliche Strahlentherapie oder Chemotherapie erforderlich sein, um Resttumorzellen zu vernichten. Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Onkologen.

Spinalkanalstenose (LWS/HWS)

Eine Spinalkanalstenose bedeutet die Verengung des Wirbelkanals und somit eine mögliche Einengung des Rückenmarks und der Spinalnerven. Neben angeborenen Fehlbildungen oder Knochenaufbaustörungen sowie alters- und belastungsabhängigen degenerativen Erkrankungen können auch Verletzungen, Unfälle, Knochenerkrankungen oder Tumore Ursachen einer Spinalkanalstenose sein.
Am häufigsten tritt die Verengung an der Lendenwirbelsäule auf. Die Betroffenen leiden dann unter Bein- und/oder Rückenschmerzen beim Gehen und Stehen, manchmal verbunden mit Kribbeln, Taubheits- und Schwächegefühl. Hinsetzen und bestimmte Körperhaltungen, z.B. Vornüberbeugen, bringen Erleichterung. Der verengte Spinalkanal erweitert sich dabei, somit werden Rückenmark, Nerven und gestaute kleine Blutgefäße entlastet. Kann die Beschwerdesymptomatik durch konservative Maßnahmen wie Physiotherapie und Schmerzmedikation nicht mehr beherrscht werden oder treten Lähmungen auf, wird dringend eine Operation angeraten. Durch einen kleinen Hautschnitt in der entsprechenden Höhe am Rücken wird ein Teil des zwischen den Wirbelbögen liegenden Bandapparates sowie Teile des Wirbelbogens ein- oder beidseitig entfernt. Auch ein eventuell begleitend vorliegender Bandscheibenvorfall und alle weiteren einengenden Strukturen können so unter dem OP- Mikroskop abgetragen werden.
Die zweithäufigste Lokalisation der Spinalkanalstenose ist die Halswirbelsäule. Hier kommt es zu einer Diskrepanz zwischen der Größe des Rückenmarks und des Wirbelkanals, der enger wird. Die Folgen sind eine Kompression des Rückenmarks und/oder der Nervenwurzeln. Dabei treten anfangs zumeist Sensibilitätsstörungen auf, gefolgt von Schwindel und Gangstörungen. Lähmungen können im späteren Krankheitsstadium auftreten. Es handelt sich um einen langsam fortschreitenden Krankheitsprozess, welcher sich jedoch durch ein plötzliches Trauma (z.B. HWS-Schleudertrauma) oder einen akuten Bandscheibenvorfall schnell verschlimmern kann oder bei länger andauerndem Druck auf Rückenmark oder Nervenwurzeln zu irreparablen Schäden führt. Bei Vorliegen von neurologischen Defiziten ist die Operation dringend anzuraten. Die wirbelkanalerweiternden Operationen sind in der Hand des geübten Operateurs schnell und komplikationsarm durchzuführen. Durch Verwendung von modernen Narkoseverfahren können auch ältere und vorerkrankte Patienten operiert werden.